Lastenheft und Pflichtenheft: Was braucht ein Webprojekt?
Viele Vorhaben verzögern sich, weil auf ein vollständiges Dokument gewartet wird, das niemand schreiben kann. Dieser Text erklärt die Begriffe, nennt die Fälle, in denen sie wirklich gebraucht werden, und sagt, was sonst genügt.
Das lernen Sie
Zwei Dokumente, zwei Verfasser
Das Lastenheft beschreibt, was der Auftraggeber braucht: die Aufgabe, die Rahmenbedingungen, die Ziele. Es wird von Ihnen geschrieben, in Ihrer Sprache.
Das Pflichtenheft beschreibt, wie der Auftragnehmer es umsetzen will: Lösungsweg, Technik, Abgrenzung. Es entsteht beim Entwickler, auf Grundlage des Lastenhefts, und wird von Ihnen abgenommen.
In der Praxis kommt diese saubere Trennung vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen und in regulierten Bereichen vor. In einem mittelständischen Webprojekt entsteht meist ein gemeinsames Dokument — und das ist kein Mangel, sondern angemessen.
Wann sich der Aufwand lohnt
Ein ausgearbeitetes Lastenheft lohnt sich, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:
Wo nichts davon zutrifft, kann ein umfangreiches Dokument sogar schaden: Es bindet Wochen, veraltet während der Umsetzung und erzeugt die Illusion, alles sei geklärt. Die wichtigen Fragen stellen sich trotzdem erst, wenn man die ersten Masken sieht.
Sechs Angaben, die für einen Start genügen
Der fünfte Punkt wird fast immer vergessen und ist der wertvollste. Er verhindert die Diskussion nach der Abnahme, in der beide Seiten recht haben.
Ein Beispiel aus der Praxis
Was man noch nicht weiß, gehört trotzdem hinein
Kein Lastenheft ist vollständig, und das ist in Ordnung — solange die Lücken benannt sind. Ein Satz wie „Wie mit stornierten Aufträgen in der Jahresauswertung umgegangen wird, ist noch offen" ist mehr wert als ein scheinbar vollständiges Dokument, das diese Frage übergeht.
Ein Entwickler, der eine benannte Lücke sieht, plant dafür eine Entscheidung ein. Eine unbenannte Lücke wird stillschweigend mit einer Annahme gefüllt — und Annahmen fallen in der Abnahme auf, nicht vorher.
Häufige Missverständnisse
Über den Autor
Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.