Was kostet eine individuelle Webanwendung?
Eine ehrliche Antwort auf diese Frage beginnt mit einer Gegenfrage. Dieser Text nennt die Faktoren, die den Aufwand treiben, erklärt sie an zwei angenommenen Projektumfängen und sagt, welche Angaben eine belastbare Schätzung möglich machen. Preise nennen wir hier bewusst nicht — eine Zahl ohne Ihren Umfang wäre geraten.
Das lernen Sie
Warum hier keine Zahl steht
Im Netz finden sich Preisspannen für „eine Webanwendung“. Sie sind nicht falsch, aber ohne Umfang wenig aussagekräftig: Sie geben eine Größenordnung, ersetzen aber keine Schätzung für Ihren Ablauf.: Die Spanne reicht von einer Maske mit einer Liste bis zu einem Portal mit Freigaben, Schnittstellen und Datenübernahme. Beides heißt Webanwendung.
Eine Zahl, die wir hier nennen würden, wäre deshalb kein Angebot, sondern eine Erwartung, die wir später korrigieren müssten. Stattdessen erklären wir, was den Unterschied macht — damit Sie Angebote vergleichen können, auch unsere.
Sechs Faktoren, die den Aufwand treiben
Zwei angenommene Umfänge im Vergleich
Die folgenden beiden Umfänge sind erfundene Beispiele zur Veranschaulichung. Sie zeigen, warum die Anzahl der Masken ein schlechter Maßstab ist.
Umfang 1 · angenommenes Beispiel
- Eine Erfassungsmaske, eine Liste, eine Auswertung
- Fünf bis zehn Benutzer, eine Rolle
- Keine Verbindung zu anderen Systemen
- Keine Datenübernahme aus einem Altsystem
Umfang 2 · angenommenes Beispiel
- Mehrere Masken mit Freigabeschritten
- Mehrere Rollen mit unterschiedlichen Rechten
- Zwei Schnittstellen zu bestehenden Systemen
- Übernahme vorhandener Daten, Dokumente, Protokolle
Der zweite Umfang hat nicht doppelt so viele Masken, aber deutlich mehr Entscheidungen: Wer darf einen Schritt freigeben? Was passiert bei Abwesenheit? Was, wenn die Schnittstelle ablehnt? Welche Altdaten kommen mit, welche nicht? Diese Fragen sind der Aufwand — nicht die Oberfläche.
Ein Beispiel aus der Praxis
Die Änderung, die größer war als erwartet
In einer Anwendung soll ein Pflichtfeld hinzukommen: eine Kostenstelle beim Auftrag. Der Aufwand in der Maske ist klein. Dann stellen sich die eigentlichen Fragen: Was passiert mit den dreitausend Aufträgen, die noch keine Kostenstelle haben? Erscheint sie in der Übergabe an die Buchhaltung? Darf jede Rolle sie ändern? Bleiben alte Auswertungen vergleichbar?
Deshalb ist „ein Feld mehr“ keine verlässliche Aufwandsbeschreibung. Wer einen Aufwand schätzen soll, muss nach dem Bestand, der Übergabe und den Rechten fragen — nicht nach dem Feld.
Was nach der Einführung dazukommt
Diese Posten gehören in jede Planung, auch wenn sie im ersten Angebot gern fehlen:
Ein Angebot, das diese Punkte nicht erwähnt, ist nicht günstiger. Es ist nur unvollständiger.
Was eine belastbare Schätzung möglich macht
Wir brauchen kein Lastenheft. Hilfreich sind:
Mit diesen Angaben lässt sich ein Umfang abgrenzen und ein Aufwand schätzen. Fehlt eine davon, schätzen wir die Unsicherheit mit — und benennen sie, statt sie in eine glatte Zahl zu packen.
Häufige Missverständnisse
Über den Autor
Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.
Umfang abgrenzen, dann schätzen
Schildern Sie Ihre Aufgabe und die beteiligten Systeme. Sie erhalten eine Einordnung mit benannten Annahmen.