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Was kostet eine individuelle Webanwendung?

Eine ehrliche Antwort auf diese Frage beginnt mit einer Gegenfrage. Dieser Text nennt die Faktoren, die den Aufwand treiben, erklärt sie an zwei angenommenen Projektumfängen und sagt, welche Angaben eine belastbare Schätzung möglich machen. Preise nennen wir hier bewusst nicht — eine Zahl ohne Ihren Umfang wäre geraten.

  • Für wenGeschäftsführung, Einkauf, Projektverantwortliche
  • NiveauKaufvorbereitung
  • Lesezeitetwa 8 Minuten
  • Stand16. Oktober 2026

Das lernen Sie

  • Welche sechs Faktoren den Aufwand bestimmen
  • Warum zwei Anwendungen mit gleich vielen Masken unterschiedlich viel kosten
  • Welche Posten nach der Einführung dazukommen
  • Welche Angaben wir für eine belastbare Schätzung brauchen

Warum hier keine Zahl steht

Im Netz finden sich Preisspannen für „eine Webanwendung“. Sie sind nicht falsch, aber ohne Umfang wenig aussagekräftig: Sie geben eine Größenordnung, ersetzen aber keine Schätzung für Ihren Ablauf.: Die Spanne reicht von einer Maske mit einer Liste bis zu einem Portal mit Freigaben, Schnittstellen und Datenübernahme. Beides heißt Webanwendung.

Eine Zahl, die wir hier nennen würden, wäre deshalb kein Angebot, sondern eine Erwartung, die wir später korrigieren müssten. Stattdessen erklären wir, was den Unterschied macht — damit Sie Angebote vergleichen können, auch unsere.

Sechs Faktoren, die den Aufwand treiben

  • Fachliche Regeln. Nicht die Anzahl der Felder zählt, sondern die Zahl der Entscheidungen, die die Software treffen muss — und die Ausnahmen davon.
  • Rollen und Rechte. Eine Anwendung für eine Gruppe ist etwas anderes als eine für fünf Gruppen mit unterschiedlichen Sichten auf dieselben Daten.
  • Schnittstellen. Jede Verbindung zu einem anderen System bringt Anmeldung, Formatunterschiede, Fehlerbehandlung und Tests mit.
  • Datenübernahme. Vorhandene Daten sind selten so sauber, wie sie im Gespräch klingen. Prüfen, bereinigen und übertragen ist eigene Arbeit.
  • Anforderungen an den Betrieb. Wie schlimm ist ein Ausfall von einer Stunde? Die Antwort entscheidet über Sicherungen, Überwachung und Aufwand.
  • Beteiligte und Entscheidungswege. Je mehr Stellen abstimmen, desto länger dauert nicht die Umsetzung, aber das Projekt.

Zwei angenommene Umfänge im Vergleich

Die folgenden beiden Umfänge sind erfundene Beispiele zur Veranschaulichung. Sie zeigen, warum die Anzahl der Masken ein schlechter Maßstab ist.

Umfang 1 · angenommenes Beispiel

  • Eine Erfassungsmaske, eine Liste, eine Auswertung
  • Fünf bis zehn Benutzer, eine Rolle
  • Keine Verbindung zu anderen Systemen
  • Keine Datenübernahme aus einem Altsystem

Umfang 2 · angenommenes Beispiel

  • Mehrere Masken mit Freigabeschritten
  • Mehrere Rollen mit unterschiedlichen Rechten
  • Zwei Schnittstellen zu bestehenden Systemen
  • Übernahme vorhandener Daten, Dokumente, Protokolle
Beide Umfänge sind angenommene Beispiele zur Veranschaulichung, keine Angebote. Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der Masken, sondern in Rechten, Schnittstellen und Datenübernahme.

Der zweite Umfang hat nicht doppelt so viele Masken, aber deutlich mehr Entscheidungen: Wer darf einen Schritt freigeben? Was passiert bei Abwesenheit? Was, wenn die Schnittstelle ablehnt? Welche Altdaten kommen mit, welche nicht? Diese Fragen sind der Aufwand — nicht die Oberfläche.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Änderung, die größer war als erwartet

In einer Anwendung soll ein Pflichtfeld hinzukommen: eine Kostenstelle beim Auftrag. Der Aufwand in der Maske ist klein. Dann stellen sich die eigentlichen Fragen: Was passiert mit den dreitausend Aufträgen, die noch keine Kostenstelle haben? Erscheint sie in der Übergabe an die Buchhaltung? Darf jede Rolle sie ändern? Bleiben alte Auswertungen vergleichbar?

Deshalb ist „ein Feld mehr“ keine verlässliche Aufwandsbeschreibung. Wer einen Aufwand schätzen soll, muss nach dem Bestand, der Übergabe und den Rechten fragen — nicht nach dem Feld.

Was nach der Einführung dazukommt

Diese Posten gehören in jede Planung, auch wenn sie im ersten Angebot gern fehlen:

  • Betrieb: Server, Sicherungen, Überwachung, Aktualisierungen.
  • Pflege der technischen Grundlage: PHP-Versionen und Bibliotheken werden weiterentwickelt, ohne dass Ihre Anforderungen sich ändern.
  • Änderungen aus dem Betrieb: Was im Alltag auffällt, ist meist sinnvoll — und Arbeit.
  • Unterstützung der Benutzer, besonders in den ersten Wochen.

Ein Angebot, das diese Punkte nicht erwähnt, ist nicht günstiger. Es ist nur unvollständiger.

Was eine belastbare Schätzung möglich macht

Wir brauchen kein Lastenheft. Hilfreich sind:

  • Eine Beschreibung des Ablaufs in Ihren Worten, Schritt für Schritt.
  • Die beteiligten Systeme — auch Tabellen und Postfächer zählen dazu.
  • Wer mit der Software arbeitet und wer welche Entscheidungen trifft.
  • Was mit den vorhandenen Daten passieren soll.
  • Woran Sie nach einem halben Jahr erkennen würden, dass sich die Anwendung gelohnt hat.

Mit diesen Angaben lässt sich ein Umfang abgrenzen und ein Aufwand schätzen. Fehlt eine davon, schätzen wir die Unsicherheit mit — und benennen sie, statt sie in eine glatte Zahl zu packen.

Häufige Missverständnisse

Nicht ohne Umfang. Eine Hausnummer, die sich später verdoppeln muss, hilft niemandem — sie beschädigt die Zusammenarbeit, bevor sie beginnt.

Ein Festpreis setzt einen festen Umfang voraus. Er ist dort richtig, wo der Umfang klar beschrieben ist, und wird dort teuer, wo während der Arbeit noch Fragen zu klären sind — das Risiko wird dann eingepreist.

Nein. Eine Schätzung nennt den erwarteten Aufwand unter benannten Annahmen. Ändern sich die Annahmen, ändert sich der Aufwand; das gehört ausgesprochen, nicht verschwiegen.

Über den Autor

Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.

Umfang abgrenzen, dann schätzen

Schildern Sie Ihre Aufgabe und die beteiligten Systeme. Sie erhalten eine Einordnung mit benannten Annahmen.