Welche Geschäftsprozesse lassen sich automatisieren?
Nicht jeder Ablauf ist ein guter Kandidat, und nicht jeder gute Kandidat lohnt sich. Dieser Text nennt fünf Kriterien, zeigt drei Beispiele und benennt die Grenze, an der eine Entscheidung bei einem Menschen bleiben muss.
Das lernen Sie
Fünf Kriterien
Ein Ablauf ist ein geeigneter Kandidat, wenn möglichst viele dieser Punkte zutreffen:
Fehlt eines dieser Kriterien, ist das kein Ausschluss, sondern eine Aufgabe: Regeln lassen sich schärfen, Zugänge lassen sich schaffen. Fehlen drei, ist der Ablauf vermutlich der falsche Anfang.
Drei Beispiele
Die folgenden drei Abläufe sind Beispiele, keine fertigen Produktmodule. Sie zeigen, wie unterschiedlich „Automatisierung“ aussehen kann.
Ein Beispiel aus der Praxis
Der Ablauf vor und nach der Betrachtung
Eine Anfrage kommt per E-Mail. Jemand überträgt die Angaben in eine Tabelle, fragt Fehlendes nach, sucht die zuständige Person und informiert sie. Später fragt jemand nach dem Stand, und niemand weiß ihn genau.
Heute · von Hand
- Anfrage liegt im Postfach
- Angaben in eine Tabelle übertragen
- Fehlendes per Rückfrage klären
- Zuständige Person suchen und informieren
- Stand mündlich oder per Mail nachfragen
Möglicher Ablauf · mit Unterstützung
- Anfrage wird strukturiert erfasst
- Vollständigkeit wird beim Eingang geprüft
- Fehlendes wird gezielt nachgefragt
- Zuordnung erfolgt nach hinterlegter Regel
- Stand ist für alle Beteiligten sichtbar
Beachten Sie, was sich nicht ändert: Die Entscheidung über den Inhalt der Anfrage trifft weiterhin ein Mensch. Automatisiert wird das Erfassen, Prüfen, Zuordnen und Sichtbarmachen — nicht das Urteil.
Wo die Grenze verläuft
Es gibt Abläufe, die man technisch automatisieren könnte und bei denen man es nicht sollte. Die Grenze liegt dort, wo eine Entscheidung Ermessen braucht oder Menschen unmittelbar betrifft.
Eine gute Automatisierung muss nicht jeden Fall selbst entscheiden. Sie muss erkennen, welchen Fall sie nicht entscheiden kann, und ihn einem Menschen vorlegen — mit allem, was er für die Entscheidung braucht.
Selbstprüfung in vier Fragen
Nehmen Sie einen Ablauf, der Sie heute Zeit kostet, und beantworten Sie der Reihe nach:
Häufigkeit mal Dauer ergibt den heutigen manuellen Zeitaufwand. Das ist keine Einsparzusage: Freigaben, Überwachung und Ausnahmefälle bleiben Arbeit. Aber es ist die Zahl, an der Sie entscheiden können, ob sich eine genauere Betrachtung lohnt.
Womit man anfängt
Nicht mit dem größten Ablauf. Sinnvoll ist der, bei dem Sie alle vier Fragen oben beantworten können und der mindestens wöchentlich läuft. Ein überschaubarer erster Schritt bringt Erfahrung mit den eigenen Daten — und die ist bei der zweiten Automatisierung mehr wert als jede Vorplanung.
Häufige Missverständnisse
Über den Autor
Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.
Einen Ablauf im Kopf?
Beschreiben Sie, was heute von Hand passiert. Ein kurzer Ablauf in Ihren Worten genügt für den Anfang.