Automatisierung ohne KI: Wann Regeln ausreichen
Für wiederkehrende Aufgaben mit beschreibbaren Regeln ist eine Regel die bessere Lösung: nachvollziehbar, prüfbar, günstiger im Betrieb. Dieser Text sagt, woran man die Fälle unterscheidet.
Das lernen Sie
Was eine Regel leistet
Eine Regel ist ein Satz, den man aufschreiben kann: „Wenn die Anfrage keine Kundennummer enthält, geht sie an die Sachbearbeitung." Solche Sätze haben drei Eigenschaften, die im Betrieb viel wert sind.
Der Preis ist, dass jemand die Regeln formulieren muss. Genau das ist aber die Arbeit, die ohnehin ansteht: Wer seinen Ablauf nicht in Sätzen beschreiben kann, kann ihn auch nicht verbessern.
Wo ein lernendes Verfahren im Vorteil ist
Es gibt Aufgaben, bei denen sich keine Regel formulieren lässt, weil der Zusammenhang nicht in Sätzen steht:
Allen gemeinsam ist: Das Ergebnis ist eine Einschätzung, keine Entscheidung. Deshalb gehört in jeden dieser Fälle ein Schritt, an dem ein Mensch prüft — und eine ehrliche Antwort auf die Frage, was ein Fehler kostet.
Ein Beispiel aus der Praxis
Dieselbe Aufgabe, zwei Lagen
Eingehende Bestellungen sollen der richtigen Abteilung zugeordnet werden. Kommen sie über ein Formular mit einem Auswahlfeld, ist die Zuordnung eine Regel — eine Zeile, immer richtig, jederzeit änderbar.
Kommen sie als Freitext per E-Mail von hundert verschiedenen Absendern, hilft keine Regel, die alle Formulierungen abdeckt. Dann ist ein lernendes Verfahren berechtigt — mit einem Vorschlag statt einer Entscheidung, einer sichtbaren Sicherheitsangabe und einem Weg für die Fälle, in denen es unsicher ist.
Die bessere Frage lautet in diesem Beispiel allerdings: Lässt sich das Formular einführen? Ein Ablauf, der die Eingabe strukturiert, löst das Problem an der Wurzel und kostet weniger als beide Automatisierungen.
Vier Fragen vor der Entscheidung
Häufige Missverständnisse
Über den Autor
Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.