Vom Prototyp zur produktiven Anwendung
Ein Entwurf, der im Gespräch überzeugt, ist ein guter Anfang und noch keine Anwendung, die ein Betrieb benutzen kann. Dieser Text benennt, was dazwischen liegt — damit die Zeitplanung nicht an der Demo hängt.
Das lernen Sie
Wozu ein Prototyp gut ist
Ein Prototyp beantwortet eine Frage: Geht das so, wie wir es uns vorstellen? Er zeigt einen Ablauf, macht eine Idee sichtbar und deckt Missverständnisse auf, die in keiner Beschreibung auffallen. Dafür darf er unvollständig sein.
Was er nicht beantwortet: Was passiert bei zehntausend Datensätzen? Was, wenn zwei Personen gleichzeitig arbeiten? Was bei einer Fehleingabe? Wer darf was sehen? Diese Fragen sind nicht vergessen worden — sie waren nicht der Zweck.
Sechs Bereiche zwischen Entwurf und Einsatz
Keiner dieser Bereiche ist eine Zugabe. Zusammen sind sie oft größer als der Teil, den die Demo gezeigt hat — und das ist der Grund, warum ein überzeugender Prototyp zu optimistischen Erwartungen führt.
Ein Beispiel aus der Praxis
Die Liste, die mit den Daten wuchs
Eine Übersicht zeigte im Entwurf alle Vorgänge auf einer Seite — mit 40 Testdatensätzen angenehm schnell. In der Produktion waren es nach vier Monaten 18.000. Die Seite lud zehn Sekunden, der Export brach ab, und die Suche fand nichts, weil sie über alle Felder lief.
Die Arbeit danach war größer als die Liste selbst: Blättern, gezielte Suche über die richtigen Felder, ein Export in Teilen. Mit der Frage „wie viele Datensätze erwarten wir in zwei Jahren?“ vor dem Bauen wäre es ein Drittel davon gewesen.
Wann ein Prototyp weggeworfen werden sollte
Dann, wenn er gebaut wurde, um eine Frage schnell zu beantworten, und seine Struktur das zeigt. Ein Entwurf ohne Trennung von Daten, Logik und Darstellung lässt sich nicht erweitern, ohne dass jede Änderung an drei Stellen passiert.
Das klingt nach Verschwendung und ist das Gegenteil: Der Prototyp hat seinen Zweck erfüllt, als er die Frage beantwortet hat. Ihn zur Grundlage zu machen, weil „er ja schon läuft“, ist der teurere Weg — und der, der später nach einem Neubau verlangt.
Die Gegenprobe ist einfach: Wurde der Entwurf von Anfang an mit tragfähiger Struktur gebaut, kann er die Grundlage sein. Dann war es kein Prototyp, sondern eine erste Ausbaustufe — und das ist eine bewusste Entscheidung, die man vorher trifft.
Häufige Missverständnisse
Über den Autor
Fabian Lücker ist geschäftsführender Gesellschafter der PHP-Schmiede KG in Rheine und seit 2007 in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Entwicklung und Konzeption und schreibt hier über Entscheidungen, die in echten Projekten anfallen.
Ein Entwurf, der produktiv werden soll?
Wir sehen uns an, was tragfähig ist und was neu gebaut werden sollte — mit Begründung, nicht mit Pauschalurteil.